Was für Auswirkungen von Mobilfunkstrahlung gelten offiziell als gesichert?

Man unterscheidet zwischen thermischen und nichtthermischen biologischen Auswirkungen auf Mensch und Tier. Thermische Auswirkungen, d.h. Gesundheitsschäden durch Erwärmung des Körpergewebes infolge sehr starker hochfrequenter Strahlung sind schon seit Jahrzehnten anerkannt. Hingegen galt die Existenz von Effekten der in unserem Alltag vorhandenen, nichtthermisch wirkenden Strahlung offiziell lange als nicht ausreichend erwiesen, obwohl es schon viele Studien darüber gab.

Seit einigen Jahren wird nun die Existenz nichtthermischer Effekte endlich allgemein akzeptiert. Genannt werden der oxidative Zellstress sowie eine Beeinflussung von Hirnströmen, Gehirndurchblutung, Spermienqualität, Erbinformation, Gen­expression und programmiertem Zelltod (Apoptose)1. Es sei jedoch unbekannt – so wird angefügt – ob mit diesen Effekten auch wirklich Gesundheitsfolgen verbunden seien. Über die Schädlichkeit könne man erst urteilen, wenn ein Wirkungsmodell2 allgemein akzeptiert sei. Nur: Solche Wirkungsmodelle wurden längst vorgeschlagen und sind heute teils weit entwickelt. Aber der notwendige wissenschaftliche Disput darüber stockt. Man scheint auf Zeit zu spielen.

Dass jetzt die Existenz nichtthermischer Effekte zwar zugegeben, aber die Konsequenzen dieses Eingeständnisses nicht gezogen werden, hat weitreichende Folgen. Gemäss dem "thermischen Dogma" der ICNIRP3 gilt für den Körper die Betrachtungsweise der Physik. Demnach hängen die Effekte im Körper nur von der Dosis, d.h. von der vom Körper aufgenommenen Menge an Strahlungsenergie ab. Zu deren Ermittlung genügt die international übliche Messung des Mittelwertes. Kurzzeitige Spitzen werden nicht berücksichtigt.  Aus der Praxis weiss man jedoch, dass die Symptome empfindlicher Personen massgeblich von den Spitzenwerten mitbestimmt werden. Unser Körper gehorcht eben nicht bloss der Physik; seine Lebensvorgänge sind unter dem Aspekt des Bioelektromagnetismus zu betrachten.

1 siehe Rundschreiben des BAFU an die Kantone vom 17.04.2019

2 Wirkungsmodell = detailliertes Modell der Vorgänge, wie gesundheitsschädliche Auswirkungen der Strahlung im menschlichen Organismus konkret entstehen

3 ICNIRP = International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection

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